Die letzten zwei, drei Sätze eines Arbeitszeugnisses entscheiden oft über seinen Gesamteindruck: die Schlussformel mit Dank, Bedauern und Zukunftswünschen. Personaler lesen sie als Echtheitssiegel der Bewertung, denn hier zeigt der Arbeitgeber freiwillig, wie er wirklich zum Ausscheiden steht. In diesem Beitrag erklären wir die Bedeutung der drei Elemente, die Abstufungen von der herzlichen bis zur kühlen Variante, was eine fehlende Schlussformel signalisiert und welche Formulierungen je nach Austrittsgrund passen.
Was die Schlussformel ist und warum sie zählt
Die Schlussformel steht am Ende des Zeugnisses, nach der Beendigungsformel, und besteht klassisch aus drei Elementen:
- Dank für die geleistete Arbeit und die Zusammenarbeit
- Bedauern über das Ausscheiden
- Zukunftswünsche für den weiteren beruflichen und privaten Weg
Rechtlich ist sie eine Besonderheit: Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts besteht kein Anspruch auf Dank und gute Wünsche,1 denn die Schlussformel gehört nicht zum gesetzlich geschuldeten Zeugnisinhalt nach § 109 GewO.2 Der Arbeitgeber darf sie also weglassen. Genau deshalb ist sie so aussagekräftig: Was freiwillig gegeben wird, gilt als ehrlich gemeint. Eine vollständige, warme Schlussformel bestätigt die gute Bewertung im Leistungsteil; eine karge oder fehlende relativiert sie. Welche Rechte Ihnen beim Zeugnis insgesamt zustehen, lesen Sie im Beitrag Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.
Die Abstufungen: Von Note 1 bis zur stillen Abwertung
Wie überall im Zeugnis gilt auch hier ein Stufensystem. Personaler prüfen, welche der drei Elemente vorhanden sind und wie stark sie formuliert wurden:
| Formulierung | Wirkung |
|---|---|
| "Wir danken ihm für die stets sehr gute Zusammenarbeit, bedauern sein Ausscheiden außerordentlich und wünschen ihm für seine berufliche und private Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute." | Sehr gut: alle drei Elemente, verstärkt |
| "Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit, bedauern ihr Ausscheiden und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg." | Gut: alle drei Elemente, ohne Superlative |
| "Wir danken ihm für die Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute." | Befriedigend: das Bedauern fehlt |
| "Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute." | Ausreichend bis mangelhaft: weder Dank noch Bedauern |
| "Wir wünschen ihm für die Zukunft viel Gesundheit." oder gar keine Schlussformel | Deutliche Abwertung: Trennung im Streit wahrscheinlich |
Feinsignale, auf die erfahrene Leser achten: Das Wort "weiterhin" bei den Erfolgswünschen ("weiterhin viel Erfolg") bestätigt, dass es bereits Erfolge gab. Wünsche nur für die "private" Zukunft oder nur "Gesundheit" lassen die berufliche Kompetenz demonstrativ unerwähnt. Und eine Schlussformel, die deutlich kühler ausfällt als der Leistungsteil, lässt das ganze Zeugnis unglaubwürdig wirken.3 Solche Widersprüche erkennen Sie systematisch mit der Methode aus dem Beitrag Arbeitszeugnis Note berechnen oder über unsere Zeugnis-Analyse.
Die fehlende Schlussformel: Beredtes Schweigen
Fehlt die Schlussformel komplett, endet das Zeugnis abrupt nach der Beendigungsformel. Für Personaler ist das eines der stärksten Negativsignale überhaupt: Der Arbeitgeber wollte nicht einmal die üblichen Höflichkeiten aufbringen. Da Sie die Schlussformel rechtlich nicht erzwingen können, hilft hier nur Verhandeln: Bitten Sie konkret um die Ergänzung und liefern Sie den Formulierungsvorschlag gleich mit. Die meisten Arbeitgeber übernehmen ihn, weil die Verweigerung für sie keinen Nutzen hat. Dieses Muster, den eigenen Entwurf vorzulegen, funktioniert übrigens für das gesamte Zeugnis; wie ein vollständiger Entwurf aufgebaut ist, zeigt die Anleitung zum Arbeitszeugnis schreiben.
Formulierungen je nach Austrittsgrund
Die Schlussformel sollte zum Grund des Ausscheidens passen. Bewährte Beispiele:
Kündigung auf eigenen Wunsch
"Herr Beispiel verlässt uns auf eigenen Wunsch, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen. Wir bedauern sein Ausscheiden sehr, danken ihm für die stets sehr gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für seine berufliche und private Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute." Das Bedauern ist hier glaubwürdig und wichtig, denn der Mitarbeiter geht freiwillig.
Betriebsbedingte Kündigung
"Das Arbeitsverhältnis endet aus betriebsbedingten Gründen. Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich, danken Frau Beispiel für die stets gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren weiteren Berufsweg viel Erfolg und alles Gute." Hier darf das Bedauern besonders deutlich ausfallen; es stellt klar, dass die Trennung nichts mit der Leistung zu tun hatte.
Aufhebungsvertrag / einvernehmliche Trennung
"Das Arbeitsverhältnis endet einvernehmlich zum 30. Juni 2026. Wir danken Herrn Beispiel für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft beruflich wie privat alles Gute und viel Erfolg." Das Bedauern kann hier enthalten sein, wird aber oft neutraler gehalten.
Befristung läuft aus
"Das Arbeitsverhältnis endet mit Ablauf der Befristung. Wir hätten die Zusammenarbeit gerne fortgesetzt, danken Frau Beispiel für ihren stets engagierten Einsatz und wünschen ihr für ihre Zukunft viel Erfolg und alles Gute." Der Satz "Wir hätten die Zusammenarbeit gerne fortgesetzt" ist hier das stärkste Lob.
Zwischenzeugnis
Im laufenden Arbeitsverhältnis gibt es kein Ausscheiden, also auch kein Bedauern. Stattdessen: "Wir bedanken uns für die bisherige stets sehr gute Zusammenarbeit und freuen uns auf die weitere gemeinsame Arbeit." Alle Besonderheiten dieser Zeugnisart, inklusive der Präsens-Regel, finden Sie im Beitrag Zwischenzeugnis: Anspruch, Anlässe und Formulierung.
Checkliste für Ihre Schlussformel
- Sind alle drei Elemente enthalten: Dank, Bedauern, Zukunftswünsche?
- Passt die Intensität zur Note des Leistungsteils? Die Codes dafür liefert der Beitrag Zeugnissprache entschlüsselt.
- Steht "weiterhin" bei den Erfolgswünschen?
- Wird der Austrittsgrund günstig dargestellt ("auf eigenen Wunsch", "betriebsbedingt")?
- Umfasst der Wunsch die berufliche und private Zukunft?
Wie eine stimmige Schlussformel im Gesamtzeugnis wirkt, sehen Sie in unseren vollständigen Beispielen, etwa dem Arbeitszeugnis-Muster für einen Elektriker mit Schlussformel bei Kündigung auf eigenen Wunsch.
Fazit
Die Schlussformel ist klein im Umfang, aber groß in der Wirkung: Sie bestätigt oder entwertet die gesamte Bewertung. Achten Sie auf die drei Elemente, die passende Intensität und die Stimmigkeit zum Austrittsgrund, und verhandeln Sie eine schwache Schlussformel aktiv nach, am besten mit fertigem Textvorschlag.
Unser Generator formuliert die Schlussformel automatisch passend zu Note und Austrittsgrund, zusammen mit dem kompletten Zeugnis in korrekter Zeugnissprache: Jetzt Arbeitszeugnis erstellen. Ob eine bestehende Schlussformel Ihre Bewertung stützt oder heimlich abwertet, sagt Ihnen in Minuten unsere Zeugnis-Analyse.
Quellen
- 1BAG, Urteil vom 11.12.2012, 9 AZR 227/11 (kein Anspruch auf Schlussformel) (bundesarbeitsgericht.de)
- 2§ 109 Gewerbeordnung, Zeugnis (gesetze-im-internet.de)
- 3Haufe, Zeugnissprache: Formulierungen, Noten und Geheimcodes (haufe.de)