Arbeitszeugnis Note berechnen: So bewerten Sie Ihr Zeugnis selbst

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Welche Note steckt wirklich in Ihrem Arbeitszeugnis? Diese Frage lässt sich erstaunlich präzise beantworten, denn Arbeitszeugnisse folgen einem normierten Aufbau mit festen Bewertungsbausteinen. Wer weiß, welche Bausteine es gibt und wie die Formulierungen in Schulnoten übersetzt werden, kann sein Zeugnis selbst benoten, ganz ohne Anwalt. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die Methode Schritt für Schritt: von den einzelnen Teilnoten bis zur gewichteten Gesamtnote.

Warum sich die Notenberechnung lohnt

Personalabteilungen lesen Zeugnisse nicht als Fließtext, sondern scannen gezielt die bekannten Bewertungsstellen. Ein Zeugnis mit der versteckten Note 4 kann eine Bewerbung ausbremsen, obwohl es für Laien freundlich klingt. Umgekehrt gilt: Nur wer die eigene Note kennt, kann beurteilen, ob eine Zeugnisberichtigung sinnvoll ist. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass eine durchschnittliche, also befriedigende Bewertung der Normalfall ist. Wer eine bessere Note möchte, muss die überdurchschnittliche Leistung darlegen; wer eine schlechtere Note erhalten hat als "befriedigend", kann vom Arbeitgeber verlangen, dass dieser die unterdurchschnittliche Bewertung begründet.

Die Bausteine eines qualifizierten Zeugnisses

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis enthält typischerweise diese bewertungsrelevanten Abschnitte (den vollständigen Aufbau erklären wir in der Anleitung zum Zeugnisschreiben):

  • Arbeitsbereitschaft und Motivation: Engagement, Eigeninitiative, Einsatzwille
  • Arbeitsbefähigung: Fachwissen, Auffassungsgabe, Belastbarkeit
  • Arbeitsweise: Sorgfalt, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit
  • Arbeitserfolg: Qualität und Quantität der Ergebnisse, konkrete Erfolge
  • Zusammenfassende Leistungsbeurteilung: die Zufriedenheitsformel
  • Sozialverhalten: Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden
  • Schlussformel: Dank, Bedauern, Zukunftswünsche

Jeder dieser Bausteine trägt eine eigene Teilnote, die sich aus der Formulierungsstärke ergibt.

Schritt 1: Die zusammenfassende Zufriedenheitsformel benoten

Der wichtigste einzelne Satz ist die Zufriedenheitsformel, meist am Ende des Leistungsteils. Die Übersetzungstabelle:

FormulierungTeilnote
"stets zur vollsten Zufriedenheit"1
"stets zur vollen Zufriedenheit"2
"zur vollen Zufriedenheit"3
"zu unserer Zufriedenheit"4
"im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit"5
"hat sich bemüht"6

Diese Note ist der Anker Ihrer Gesamtbewertung. Alle anderen Bausteine sollten zu ihr passen; Ausreißer nach unten drücken die Gesamtwirkung. Die vollständige Entschlüsselung aller Codes finden Sie im Beitrag Zeugnissprache entschlüsselt.

Schritt 2: Die einzelnen Leistungsbausteine bewerten

Für jeden Baustein gilt dieselbe Logik: Superlativ plus zeitliche Konstanz ergibt eine Eins, einfache positive Aussage ohne Verstärker eine Drei, eingeschränkte oder nur bemühte Aussagen eine Vier oder schlechter. Beispiele für die Arbeitsweise:

  • Note 1: "Sie arbeitete stets äußerst sorgfältig, zuverlässig und selbstständig."
  • Note 2: "Sie arbeitete stets sorgfältig, zuverlässig und selbstständig."
  • Note 3: "Sie arbeitete sorgfältig und zuverlässig."
  • Note 4: "Sie arbeitete im Allgemeinen sorgfältig."

Notieren Sie sich für jeden Baustein eine Zahl von 1 bis 6. Fehlt ein Baustein komplett, etwa der Arbeitserfolg oder die Belastbarkeit, vergeben Sie gedanklich eine 4 bis 5, denn Auslassungen wirken auf Personaler wie eine stille Abwertung.

Schritt 3: Das Sozialverhalten benoten

Beim Verhalten zählt neben der Wortwahl auch die Reihenfolge und Vollständigkeit:

  • Note 1: "Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich."
  • Note 2: "... war stets einwandfrei."
  • Note 3: "... war einwandfrei."
  • Note 4: "Sein Verhalten war insgesamt korrekt."

Achtung bei zwei typischen Fallen: Werden die Vorgesetzten gar nicht genannt oder erst nach den Kollegen, deutet das auf Konflikte mit der Führung hin. Und fehlt bei kundennahen Positionen der Kundenbezug, wirkt auch das als Lücke.

Schritt 4: Die Schlussformel einordnen

Die Schlussformel ist rechtlich freiwillig, wirkt aber wie eine Bestätigung oder Relativierung der Gesamtnote. Volle Ausprägung (Dank für die Zusammenarbeit, Bedauern über das Ausscheiden, gute Wünsche für die berufliche und private Zukunft) entspricht einer Eins bis Zwei. Fehlt das Bedauern, ist das eine Drei. Fehlt die Schlussformel ganz, wirkt selbst ein gutes Zeugnis entwertet. Die Details und Beispielformulierungen finden Sie im Beitrag zur Schlussformel im Arbeitszeugnis.

Schritt 5: Teilnoten zur Gesamtnote gewichten

Eine bewährte Gewichtung für die Selbstauswertung:

BausteinGewicht
Zusammenfassende Zufriedenheitsformel35 %
Arbeitsweise, Befähigung, Motivation (Mittelwert)25 %
Arbeitserfolg15 %
Sozialverhalten15 %
Schlussformel10 %

Rechenbeispiel: Zufriedenheitsformel Note 2, Leistungsbausteine im Schnitt 2,3, Erfolge Note 3 (nur allgemein erwähnt), Sozialverhalten Note 2, Schlussformel Note 3 (ohne Bedauern). Gesamtnote: 0,35 × 2 + 0,25 × 2,3 + 0,15 × 3 + 0,15 × 2 + 0,10 × 3 = 2,33. Das Zeugnis ist also "gut minus", nicht "gut". Für eine Bewerbung auf eine anspruchsvolle Position kann genau dieses Minus den Unterschied machen.

Worauf Sie zusätzlich achten sollten

  • Widersprüche: Eine Eins in der Zufriedenheitsformel neben einer nüchternen Aufgabenliste ohne jedes Lob wirkt unglaubwürdig.
  • Zeugnisart: Ein einfaches Zeugnis ohne jede Bewertung ist bei langjähriger Beschäftigung selbst ein Warnsignal für Personaler.
  • Tempus: Ein Zwischenzeugnis gehört ins Präsens, ein Endzeugnis ins Präteritum. Fehler hier deuten auf ein nachlässig erstelltes Zeugnis hin.
  • Vergleich mit Mustern: Halten Sie Ihr Zeugnis neben eine saubere Vorlage, etwa unser Elektriker-Muster mit Note 1, um Formulierungsstärken direkt zu vergleichen.

Häufige Fehler bei der Selbstauswertung

Drei Stolperfallen sehen wir in der Praxis immer wieder. Erstens: Der freundliche Grundton wird mit einer guten Note verwechselt. Jedes Zeugnis klingt positiv, entscheidend sind allein die Abstufungen. Zweitens: Einzelne starke Sätze werden überbewertet. Eine Eins in der Arbeitsweise rettet kein Zeugnis, dessen Zufriedenheitsformel nur eine Drei hergibt; maßgeblich ist die zusammenfassende Beurteilung. Drittens: Auslassungen werden übersehen. Wer nur die vorhandenen Sätze benotet, bemerkt nicht, dass etwa die Belastbarkeit, die Ehrlichkeit bei einer Vertrauensposition oder das Verhalten gegenüber Vorgesetzten fehlen. Gehen Sie deshalb immer die vollständige Bausteinliste durch und benoten Sie auch das, was nicht dasteht.

Selbst rechnen oder analysieren lassen?

Mit der beschriebenen Methode kommen Sie zu einer belastbaren Einschätzung. Die Grenzen der Selbstauswertung liegen bei subtilen Codes, branchenspezifischen Auslassungen und der Frage, ob eine Formulierung rechtlich angreifbar ist. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, nutzen Sie unsere professionelle Zeugnis-Analyse: Sie erhalten eine Satz-für-Satz-Auswertung mit Teilnoten, Gesamtnote und konkreten Verbesserungsvorschlägen für jede schwache Stelle.

Und wenn das Ergebnis zeigt, dass Ihr Zeugnis besser sein könnte: Mit unserem Generator erstellen Sie in wenigen Minuten einen professionellen Zeugnisentwurf in korrekter Zeugnissprache, den Sie Ihrem Arbeitgeber als Vorlage anbieten können. Jetzt Arbeitszeugnis erstellen.

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Quellenangabe
Arbeitszeugnis Note berechnen: So bewerten Sie Ihr Zeugnis selbst. Arbeitszeugnis-Schreiben. https://arbeitszeugnisschreiben.de/blog/arbeitszeugnis-note-berechnen/
Als Link (HTML)
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Max Kuch
Max Kuch
Gründer von Arbeitszeugnis-Schreiben

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Mit Arbeitszeugnis-Schreiben hat er ein Werkzeug entwickelt, das die oft verschlüsselte Zeugnissprache verständlich macht: Arbeitnehmer erstellen damit rechtssichere Arbeitszeugnisse und prüfen bestehende Zeugnisse Wort für Wort auf ihre wahre Note. Seine Ratgeber verbinden die aktuelle arbeitsrechtliche Rechtsprechung mit der Praxis aus tausenden analysierten Formulierungen.

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Häufig gestellte Fragen

Der erstellte Text ist ein vollständiger, korrekt formulierter Zeugnisentwurf. Wirksam wird das Zeugnis, sobald es auf dem Geschäftspapier des Arbeitgebers ausgedruckt und von einer vertretungsberechtigten Person (Geschäftsführung oder Personalleitung) unterschrieben wird. Die Grundlage ist § 109 der Gewerbeordnung (GewO).

Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein. Deshalb hat sich eine codierte Sprache entwickelt: "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" entspricht der Note sehr gut, "zu unserer Zufriedenheit" nur noch einem ausreichend. Sie wählen bei uns einfach Schulnoten, und wir übersetzen sie in die passenden Formulierungen.

Ein einfaches Zeugnis bestätigt nur Art und Dauer der Beschäftigung. Ein qualifiziertes Zeugnis bewertet zusätzlich Leistung und Verhalten. Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, wenn sie es verlangen (§ 109 GewO). In der Praxis wird fast immer das qualifizierte Zeugnis erwartet.

Ja, das ist gängige Praxis. Viele Arbeitgeber bitten ausscheidende Mitarbeiter sogar aktiv darum, einen Entwurf mitzubringen. Sie erstellen Ihr Zeugnis so, wie es Ihre Leistung verdient, und legen es Ihrem Arbeitgeber zur Prüfung und Unterschrift vor.

Ein Zwischenzeugnis wird während des laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt, etwa bei einem Wechsel des Vorgesetzten, bei Umstrukturierungen, vor der Elternzeit oder für Bewerbungen. Es ist im Präsens formuliert und enthält keine Schlussformel mit Bedauern über das Ausscheiden.

Ja. Sie erhalten das Zeugnis auch als Word-Datei, die Sie frei bearbeiten können. Namen, einzelne Formulierungen oder die Aufgabenliste lassen sich so jederzeit anpassen, bevor das Zeugnis gedruckt und unterschrieben wird.

Nein. Unser Service erstellt Zeugnisentwürfe als Formulierungshilfe. Bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, etwa wenn ein Zeugnis vor Gericht angefochten werden soll, empfehlen wir die Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

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