Arbeitszeugnis-Formulierungen nach Notenstufen: Die komplette Übersicht

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Arbeitszeugnisse werden in einer eigenen, streng codierten Sprache geschrieben. Weil das Zeugnis nach der Rechtsprechung zugleich wahr und wohlwollend sein muss, verstecken Arbeitgeber die eigentliche Bewertung hinter fest etablierten Formulierungen. Wer diese Formulierungen kennt, liest aus jedem Satz sofort die zugehörige Schulnote heraus. Diese Seite ist die komplette Liste: alle gängigen Arbeitszeugnis-Formulierungen, geordnet nach Notenstufen 1 bis 5, für Leistung, Verhalten und Schlussformel, jeweils mit ihrer wahren Bedeutung.

Warum es eine eigene Zeugnissprache gibt

Jeder Arbeitnehmer hat nach § 109 der Gewerbeordnung Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.1 Dieses Zeugnis unterliegt zwei Grundsätzen, die sich widersprechen: Es muss wahr sein, darf also nichts Falsches behaupten, und es muss zugleich wohlwollend formuliert werden, damit es das berufliche Fortkommen nicht erschwert. Offene Kritik ist damit praktisch ausgeschlossen. Die Praxis hat das gelöst, indem sie Kritik in Abstufungen positiver Formulierungen codiert: Der Wortlaut klingt immer freundlich, die Note steckt in feinen Nuancen.

Entscheidend ist dabei die sogenannte Zufriedenheitsformel. Sie steht am Ende des Leistungsteils und legt die Gesamtnote fest. Zwei Stellschrauben bestimmen die Bewertung: der Grad der Zufriedenheit (vollste, volle, ohne Zusatz) und die zeitliche Konstanz (stets, jederzeit, im Großen und Ganzen). Das Bundesarbeitsgericht hat bestätigt, dass die Formel „zur vollen Zufriedenheit" eine durchschnittliche Leistung (Note 3) bescheinigt und dass ein Arbeitnehmer, der eine bessere Note verlangt, die überdurchschnittliche Leistung selbst darlegen muss.2

Die Notenskala der Zufriedenheitsformel

Die zusammenfassende Leistungsbeurteilung folgt einer festen Skala. Merken Sie sich die Faustregel: Je mehr Superlative (vollste) und je mehr zeitliche Konstanz (stets), desto besser die Note. Fehlt das „stets", rutscht die Bewertung sofort eine Stufe nach unten.

FormulierungNoteBedeutung
„stets zur vollsten Zufriedenheit"1 (sehr gut)Herausragende, dauerhaft erstklassige Leistung
„stets zur vollen Zufriedenheit"2 (gut)Gute, konstante Leistung über dem Durchschnitt
„zur vollen Zufriedenheit" oder „stets zu unserer Zufriedenheit"3 (befriedigend)Solide Durchschnittsleistung
„zu unserer Zufriedenheit"4 (ausreichend)Leistung mit deutlichen Schwächen
„im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit"5 (mangelhaft)Erwartungen überwiegend nicht erfüllt
„hat sich bemüht, die Aufgaben zu erledigen"6 (ungenügend)Bemühen ja, Erfolg nein: eine der schärfsten Abwertungen

Wie Sie aus den einzelnen Bausteinen systematisch eine Gesamtnote ableiten, zeigen wir Schritt für Schritt im Beitrag Arbeitszeugnis Note berechnen. Die Hintergründe der codierten Sprache vertiefen wir in unserem Beitrag zur Zeugnissprache.

Leistungsbeurteilung: Formulierungen nach Note

Die Leistungsbeurteilung ist das Herzstück des qualifizierten Zeugnisses. Sie bewertet Arbeitsbefähigung, Arbeitsbereitschaft, Fachwissen, Arbeitsweise und Arbeitserfolg. Auch hier gilt die Notenskala über die Wörter „stets", „immer", „vollste".

  • Note 1 (sehr gut): „Sie erledigte alle Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit." / „Er zeigte stets höchste Einsatzbereitschaft und überzeugte durch herausragende Arbeitsergebnisse."
  • Note 2 (gut): „Sie erledigte alle Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit." / „Er arbeitete stets zuverlässig, gründlich und zielorientiert."
  • Note 3 (befriedigend): „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit." / „Er zeigte Einsatzbereitschaft und erzielte brauchbare Ergebnisse."
  • Note 4 (ausreichend): „Sie erledigte die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit." / „Er zeigte im Rahmen seiner Möglichkeiten Einsatz."
  • Note 5 (mangelhaft): „Sie war insgesamt bemüht, die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen." / „Er zeigte Verständnis für seine Aufgaben."

Beachten Sie die klassischen Warnsignale: „Er war stets bemüht" lobt das Bemühen, nicht das Ergebnis, und bedeutet in der Praxis eine Note 5 bis 6.3 „Sie zeigte Verständnis für die Arbeit" heißt: verstanden ja, umgesetzt nein.

Verhaltensbeurteilung: Formulierungen nach Note

Die Verhaltensbeurteilung folgt einer festen Reihenfolge: Vorgesetzte, Kollegen, Kunden. Wird diese Reihenfolge geändert oder eine Gruppe weggelassen, ist das ein bewusstes Signal. Die Note steckt in Wörtern wie „stets", „einwandfrei", „vorbildlich".

  • Note 1: „Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich."
  • Note 2: „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei."
  • Note 3: „Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war einwandfrei." (ohne „stets")
  • Note 4: „Ihr Verhalten war insgesamt einwandfrei." (ohne konkrete Nennung der Gruppen)
  • Note 5: „Sein persönliches Verhalten war im Wesentlichen ohne Beanstandung."

Ein besonders bekannter Code: Wird nur das Verhalten gegenüber Kollegen gelobt, nicht aber gegenüber Vorgesetzten, deutet das auf Konflikte mit der Führungsebene hin. Wird die Geselligkeit betont („trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei"), lesen Personaler daraus oft einen Hinweis auf übermäßigen Alkoholkonsum.

Schlussformel: Formulierungen nach Note

Die Schlussformel besteht aus drei Bausteinen: Dank, Bedauern über das Ausscheiden und Zukunftswünsche. Fehlt sie ganz, ist das ein deutliches Warnsignal. Alle Abstufungen und Beispiele erklären wir ausführlich im Beitrag zur Schlussformel im Arbeitszeugnis.

  • Note 1/2: „Wir bedanken uns für die stets hervorragende Zusammenarbeit, bedauern ihr Ausscheiden sehr und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg."
  • Note 3: „Wir danken für die Zusammenarbeit und wünschen für die Zukunft alles Gute." (kein Bedauern, keine Erfolgswünsche)
  • Note 4/5: „Wir wünschen für die Zukunft alles Gute." (nur ein Baustein, kein Dank)
  • Fehlende Schlussformel: Kein Dank, kein Bedauern, keine Wünsche. Signalisiert, dass man im Streit auseinanderging.

Geheimcodes: harmlose Sätze mit versteckter Bedeutung

Neben der Notenskala gibt es klassische Formulierungen, die freundlich klingen, aber eine feste negative Nebenbedeutung tragen. Solche bewusst zweideutigen Codes sind rechtlich unzulässig, weil das Zeugnis klar und verständlich sein muss.4 In der Praxis kommen sie trotzdem vor.

  • „Er setzte sich im Rahmen seiner Fähigkeiten ein" = die Fähigkeiten waren begrenzt.
  • „Alle Aufgaben wurden ordnungsgemäß erledigt" = Dienst nach Vorschrift, keine Eigeninitiative.
  • „Wir lernten sie als umgängliche Kollegin kennen" = fachlich blass, nur zwischenmenschlich gelobt.
  • „Er zeigte für seine Arbeit Verständnis" = deutliche Abwertung der Fachleistung.

So prüfen Sie Ihre eigenen Formulierungen

Gehen Sie Ihr Zeugnis systematisch durch: Suchen Sie zuerst die Zufriedenheitsformel und ordnen Sie sie der Tabelle oben zu. Prüfen Sie dann die Verhaltensbeurteilung (steht dort „stets"?), die Reihenfolge der genannten Gruppen und die Vollständigkeit der Schlussformel. Achten Sie auf alles, was fehlt: Ein Zeugnis lebt auch vom beredten Schweigen. Zum Vergleich helfen saubere Vorlagen, etwa unser Muster für eine Bürokauffrau oder das Muster für einen Softwareentwickler.

Wenn Sie unsicher sind, welche Note wirklich in Ihrem Zeugnis steckt, können Sie es Satz für Satz auswerten lassen. Unsere Zeugnis-Analyse benennt die Note jedes Bausteins und deckt versteckte Abwertungen auf. Personaler benötigen für die Beurteilung eines Zeugnisses oft nur Sekunden.5 Genau deshalb entscheidet die richtige Formulierung über Ihre nächste Bewerbung.

Fazit: Wer die Formulierungen kennt, verhandelt besser

Arbeitszeugnis-Formulierungen sind kein Zufall, sondern ein erlernbares System aus Zufriedenheitsformel, Verhaltensbeurteilung und Schlussformel. Da Sie Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Zeugnis haben, müssen Sie schlechte Codes nicht hinnehmen: Bei einer unterdurchschnittlichen Note kehrt sich die Darlegungslast sogar zugunsten des Durchschnitts um.2 Welche Rechte Ihnen genau zustehen, lesen Sie im Beitrag zum Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

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Quellen

  1. 1§ 109 Gewerbeordnung, Zeugnis (gesetze-im-internet.de)
  2. 2BAG, Urteil vom 18.11.2014, 9 AZR 584/13 (Durchschnittsnote) (bundesarbeitsgericht.de)
  3. 3Haufe, Zeugnissprache: Formulierungen, Noten und Geheimcodes (haufe.de)
  4. 4HENSCHE Arbeitsrecht, Geheimcode im Zeugnis (hensche.de)
  5. 5Karrierebibel, Arbeitszeugnis-Formulierungen und Bewertung (karrierebibel.de)

Diesen Artikel zitieren

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Quellenangabe
Arbeitszeugnis-Formulierungen nach Notenstufen: Die komplette Übersicht. Arbeitszeugnis-Schreiben. https://arbeitszeugnisschreiben.de/blog/arbeitszeugnis-formulierungen/
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Max Kuch
Max Kuch
Gründer von Arbeitszeugnis-Schreiben

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Mit Arbeitszeugnis-Schreiben hat er ein Werkzeug entwickelt, das die oft verschlüsselte Zeugnissprache verständlich macht: Arbeitnehmer erstellen damit rechtssichere Arbeitszeugnisse und prüfen bestehende Zeugnisse Wort für Wort auf ihre wahre Note. Seine Ratgeber verbinden die aktuelle arbeitsrechtliche Rechtsprechung mit der Praxis aus tausenden analysierten Formulierungen.

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Häufig gestellte Fragen

Der erstellte Text ist ein vollständiger, korrekt formulierter Zeugnisentwurf. Wirksam wird das Zeugnis, sobald es auf dem Geschäftspapier des Arbeitgebers ausgedruckt und von einer vertretungsberechtigten Person (Geschäftsführung oder Personalleitung) unterschrieben wird. Die Grundlage ist § 109 der Gewerbeordnung (GewO).

Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein. Deshalb hat sich eine codierte Sprache entwickelt: "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" entspricht der Note sehr gut, "zu unserer Zufriedenheit" nur noch einem ausreichend. Sie wählen bei uns einfach Schulnoten, und wir übersetzen sie in die passenden Formulierungen.

Ein einfaches Zeugnis bestätigt nur Art und Dauer der Beschäftigung. Ein qualifiziertes Zeugnis bewertet zusätzlich Leistung und Verhalten. Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, wenn sie es verlangen (§ 109 GewO). In der Praxis wird fast immer das qualifizierte Zeugnis erwartet.

Ja, das ist gängige Praxis. Viele Arbeitgeber bitten ausscheidende Mitarbeiter sogar aktiv darum, einen Entwurf mitzubringen. Sie erstellen Ihr Zeugnis so, wie es Ihre Leistung verdient, und legen es Ihrem Arbeitgeber zur Prüfung und Unterschrift vor.

Ein Zwischenzeugnis wird während des laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt, etwa bei einem Wechsel des Vorgesetzten, bei Umstrukturierungen, vor der Elternzeit oder für Bewerbungen. Es ist im Präsens formuliert und enthält keine Schlussformel mit Bedauern über das Ausscheiden.

Ja. Sie erhalten das Zeugnis auch als Word-Datei, die Sie frei bearbeiten können. Namen, einzelne Formulierungen oder die Aufgabenliste lassen sich so jederzeit anpassen, bevor das Zeugnis gedruckt und unterschrieben wird.

Nein. Unser Service erstellt Zeugnisentwürfe als Formulierungshilfe. Bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, etwa wenn ein Zeugnis vor Gericht angefochten werden soll, empfehlen wir die Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

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