Arbeitszeugnis anfordern: Fristen, Verjährung und Musterschreiben

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Viele Arbeitnehmer bekommen ihr Zeugnis nicht automatisch, sondern müssen es aktiv anfordern. Wer zu lange wartet, riskiert im schlimmsten Fall, dass der Anspruch verwirkt. Dieser Beitrag erklärt, wann und wie Sie ein Arbeitszeugnis anfordern, welche Fristen gelten, bis wann der Anspruch verjährt und wie ein Musterschreiben aussieht.

Wer hat Anspruch, und worauf?

Nach § 109 der Gewerbeordnung hat jeder Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis.1 Sie können dabei zwischen einem einfachen Zeugnis (nur Art und Dauer der Tätigkeit) und einem qualifizierten Zeugnis (mit Bewertung von Leistung und Verhalten) wählen. In der Praxis fordert fast jeder das qualifizierte Zeugnis an, weil nur dieses für spätere Bewerbungen aussagekräftig ist. Den Unterschied erklären wir im Beitrag Qualifiziertes oder einfaches Arbeitszeugnis.

Wichtig: Das Zeugnis ist eine sogenannte Holschuld. Der Arbeitgeber muss es also nicht von sich aus zuschicken, Sie müssen es verlangen. Ein formloses Schreiben oder eine E-Mail genügt, aus Beweisgründen ist die Schriftform aber empfehlenswert.

Fristen: Wann Sie anfordern sollten

Fordern Sie das Zeugnis möglichst frühzeitig an, idealerweise sofort nach Erhalt der Kündigung oder zum Ende des Arbeitsverhältnisses. Für die Ausstellung selbst gilt: Der Arbeitgeber muss innerhalb angemessener Zeit reagieren, in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen.2

FristBedeutung
2 bis 3 WochenÜbliche Zeit, die der Arbeitgeber zur Ausstellung nach Aufforderung hat
ca. 12 MonateNach dieser Zeit kann der Anspruch verwirken, wenn Sie ihn nicht geltend machen (§ 242 BGB)
3 JahreGesetzliche Verjährungsfrist nach § 195 BGB, gerechnet ab Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstand

Achtung bei Ausschlussfristen: Viele Arbeits- und Tarifverträge enthalten Klauseln, nach denen Ansprüche schon nach wenigen Monaten verfallen. Diese können auch den Zeugnisanspruch betreffen und laufen deutlich vor der gesetzlichen Verjährung ab.3 Prüfen Sie deshalb Ihren Vertrag und warten Sie im Zweifel nicht.

Verjährung und Verwirkung im Detail

Der Zeugnisanspruch verjährt nach § 195 BGB in drei Jahren.4 Die Frist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem das Arbeitsverhältnis endete. Endet Ihr Job also im März 2026, läuft die Verjährung bis zum 31.12.2029. Unabhängig davon kann der Anspruch aber schon früher verwirken: Wer über Monate untätig bleibt und beim Arbeitgeber den Eindruck erweckt, kein Zeugnis mehr zu wollen, verliert das Recht unter Umständen bereits nach rund einem Jahr. Fordern Sie das Zeugnis also zügig an, auch damit sich Ihre Vorgesetzten noch an Ihre Leistungen erinnern.

Musterschreiben: Arbeitszeugnis anfordern

So könnte Ihre Aufforderung aussehen. Passen Sie die Angaben in Klammern an:

Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Arbeitsverhältnis bei der [Firma] endet zum [Datum]. Hiermit bitte ich Sie, mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen, das sich auch auf meine Leistung und mein Verhalten erstreckt.
Bitte stellen Sie mir das Zeugnis bis spätestens [Datum, ca. drei Wochen] zu. Für die zügige Bearbeitung bedanke ich mich im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Wird das Zeugnis trotz Aufforderung nicht ausgestellt, können Sie es notfalls per Klage vor dem Arbeitsgericht durchsetzen. Bei einem inhaltlich falschen oder zu schlechten Zeugnis haben Sie zudem einen Anspruch auf Berichtigung. Wie dieser durchzusetzen ist, lesen Sie im Beitrag zum Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

Zwischenzeugnis: anfordern im laufenden Job

Auch während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses können Sie in bestimmten Fällen ein Zeugnis anfordern, das sogenannte Zwischenzeugnis, etwa bei einem Vorgesetztenwechsel oder einer internen Bewerbung. Wann genau ein Anspruch besteht, erklären wir im Beitrag zum Zwischenzeugnis.

Zeugnis prüfen lassen, bevor Sie es akzeptieren

Sobald Sie Ihr Zeugnis erhalten haben, sollten Sie es nicht ungeprüft ablegen. Zeugnisse enthalten häufig versteckte Abwertungen oder fehlende Pflichtbestandteile. Unsere Zeugnis-Analyse deckt in Minuten auf, welche Note wirklich in Ihrem Zeugnis steckt, und sagt Ihnen, ob sich eine Berichtigung lohnt. Möchten Sie ein eigenes Zeugnis erstellen, hilft Ihnen unser Arbeitszeugnis-Generator.

Fazit

Fordern Sie Ihr Arbeitszeugnis schriftlich und frühzeitig an. Der Anspruch verjährt zwar erst nach drei Jahren, kann aber schon nach rund zwölf Monaten verwirken, und tarifliche Ausschlussfristen greifen oft noch früher. Wer zügig anfordert und das Ergebnis prüft, sichert sich das Zeugnis, das ihm zusteht.

Quellen

  1. 1§ 109 Gewerbeordnung, Zeugnis (gesetze-im-internet.de)
  2. 2von Rüden Rechtsanwälte, Arbeitszeugnis: Fristen (rueden.de)
  3. 3Haufe, Arbeitszeugnis: Verjährung, Verwirkung und Ausschlussfristen (haufe.de)
  4. 4§ 195 BGB, Regelmäßige Verjährungsfrist (gesetze-im-internet.de)

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Quellenangabe
Arbeitszeugnis anfordern: Fristen, Verjährung und Musterschreiben. Arbeitszeugnis-Schreiben. https://arbeitszeugnisschreiben.de/blog/arbeitszeugnis-anfordern/
Als Link (HTML)
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Max Kuch
Max Kuch
Gründer von Arbeitszeugnis-Schreiben

Max Kuch ist studierter Ökonom und Digitalunternehmer. Mit Arbeitszeugnis-Schreiben hat er ein Werkzeug entwickelt, das die oft verschlüsselte Zeugnissprache verständlich macht: Arbeitnehmer erstellen damit rechtssichere Arbeitszeugnisse und prüfen bestehende Zeugnisse Wort für Wort auf ihre wahre Note. Seine Ratgeber verbinden die aktuelle arbeitsrechtliche Rechtsprechung mit der Praxis aus tausenden analysierten Formulierungen.

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Häufig gestellte Fragen

Der erstellte Text ist ein vollständiger, korrekt formulierter Zeugnisentwurf. Wirksam wird das Zeugnis, sobald es auf dem Geschäftspapier des Arbeitgebers ausgedruckt und von einer vertretungsberechtigten Person (Geschäftsführung oder Personalleitung) unterschrieben wird. Die Grundlage ist § 109 der Gewerbeordnung (GewO).

Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein. Deshalb hat sich eine codierte Sprache entwickelt: "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" entspricht der Note sehr gut, "zu unserer Zufriedenheit" nur noch einem ausreichend. Sie wählen bei uns einfach Schulnoten, und wir übersetzen sie in die passenden Formulierungen.

Ein einfaches Zeugnis bestätigt nur Art und Dauer der Beschäftigung. Ein qualifiziertes Zeugnis bewertet zusätzlich Leistung und Verhalten. Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis, wenn sie es verlangen (§ 109 GewO). In der Praxis wird fast immer das qualifizierte Zeugnis erwartet.

Ja, das ist gängige Praxis. Viele Arbeitgeber bitten ausscheidende Mitarbeiter sogar aktiv darum, einen Entwurf mitzubringen. Sie erstellen Ihr Zeugnis so, wie es Ihre Leistung verdient, und legen es Ihrem Arbeitgeber zur Prüfung und Unterschrift vor.

Ein Zwischenzeugnis wird während des laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt, etwa bei einem Wechsel des Vorgesetzten, bei Umstrukturierungen, vor der Elternzeit oder für Bewerbungen. Es ist im Präsens formuliert und enthält keine Schlussformel mit Bedauern über das Ausscheiden.

Ja. Sie erhalten das Zeugnis auch als Word-Datei, die Sie frei bearbeiten können. Namen, einzelne Formulierungen oder die Aufgabenliste lassen sich so jederzeit anpassen, bevor das Zeugnis gedruckt und unterschrieben wird.

Nein. Unser Service erstellt Zeugnisentwürfe als Formulierungshilfe. Bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, etwa wenn ein Zeugnis vor Gericht angefochten werden soll, empfehlen wir die Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

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