Kaum ein Wort entscheidet im Arbeitszeugnis so viel wie „stets". Es klingt unscheinbar, hebt oder senkt aber die Note eines ganzen Zeugnisses. Dieser kurze Erklärartikel zeigt Ihnen, was „stets" im Arbeitszeugnis bedeutet, warum es so wichtig ist und wie sich die Bewertung ändert, wenn es fehlt.
Was bedeutet „stets" im Arbeitszeugnis?
„Stets" bedeutet zeitliche Konstanz: Die gelobte Eigenschaft oder Leistung war nicht nur zeitweise, sondern durchgehend vorhanden. In der Zeugnissprache ist das ein Aufwertungssignal. Steht in der zusammenfassenden Beurteilung „stets zur vollen Zufriedenheit", bedeutet das die Note 2 (gut). Fehlt das „stets" und heißt es nur „zur vollen Zufriedenheit", sinkt die Bewertung auf Note 3 (befriedigend). Das Bundesarbeitsgericht hat bestätigt, dass „zur vollen Zufriedenheit" eine durchschnittliche Leistung beschreibt.1
„stets" in der Notenskala
Am klarsten wird die Wirkung in der Zufriedenheitsformel. Die beiden Stellschrauben sind der Grad der Zufriedenheit (vollste, volle) und eben die Konstanz (stets):
| Formulierung | Note |
|---|---|
| „stets zur vollsten Zufriedenheit" | 1 (sehr gut) |
| „zur vollsten Zufriedenheit" (ohne „stets") | 2 (gut) |
| „stets zur vollen Zufriedenheit" | 2 (gut) |
| „zur vollen Zufriedenheit" (ohne „stets") | 3 (befriedigend) |
Die Faustregel lautet: Jedes fehlende „stets" kostet ungefähr eine halbe bis ganze Notenstufe. Ähnlich wirken die verwandten Wörter „jederzeit", „immer" und „durchgehend".
„stets" außerhalb der Zufriedenheitsformel
Das Wort taucht auch in der Verhaltens- und Arbeitsbeurteilung auf und wirkt dort genauso. „Sein Verhalten war stets einwandfrei" ist besser als „Sein Verhalten war einwandfrei". „Sie zeigte stets hohe Einsatzbereitschaft" ist stärker als „Sie zeigte Einsatzbereitschaft". Wo „stets" fehlt, obwohl es an anderen Stellen im Zeugnis vorkommt, ist das ein bewusstes Signal. Solche feinen Unterschiede gehören zum System der Zeugnissprache, das erfahrene Personaler sofort lesen.2
Vorsicht: „stets bemüht"
Ein „stets" macht einen Satz nicht automatisch positiv. Die berühmte Formulierung „Er war stets bemüht" ist trotz des „stets" eine der schärfsten Abwertungen: Sie lobt das Bemühen, nicht den Erfolg, und entspricht der Note 5 bis 6. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel mit dem übrigen Wortlaut. Solche versteckten Codes sind rechtlich eigentlich unzulässig, kommen in der Praxis aber vor.3
So prüfen Sie Ihr Zeugnis auf „stets"
Gehen Sie Ihr Zeugnis durch und markieren Sie jede Stelle, an der eine Leistung oder ein Verhalten gelobt wird. Steht dort „stets" (oder „jederzeit", „immer")? Wenn nicht, ist die Bewertung an dieser Stelle abgeschwächt. Die vollständige Liste aller Bewertungsstufen finden Sie im Beitrag Arbeitszeugnis-Formulierungen nach Notenstufen.
Sie wollen es genau wissen? Unsere Zeugnis-Analyse erkennt automatisch, wo ein „stets" fehlt und welche Note dadurch tatsächlich in Ihrem Zeugnis steckt. Und wenn Sie selbst ein Zeugnis mit korrekt gesetzten Steigerungen erstellen möchten, führt Sie unser Arbeitszeugnis-Generator Baustein für Baustein zur passenden Note.
Fazit
„Stets" steht im Arbeitszeugnis für dauerhafte, konstante Leistung und ist damit eines der wichtigsten Aufwertungswörter der Zeugnissprache. Sein Fehlen kostet eine Notenstufe, seine falsche Kombination („stets bemüht") kann sogar abwerten. Lesen Sie Ihr Zeugnis deshalb Wort für Wort.
Quellen
- 1BAG, Urteil vom 18.11.2014, 9 AZR 584/13 (bundesarbeitsgericht.de)
- 2Haufe, Zeugnissprache: Formulierungen, Noten und Geheimcodes (haufe.de)
- 3HENSCHE Arbeitsrecht, Geheimcode im Zeugnis (hensche.de)